Zahl der High-Tech-Gründungen in Thüringen steigt

„Thüringer Gründertag 2011“ wirbt für Schritt in die Selbstständigkeit / Mehr als 17 000 Thüringer haben 2010 eigene Existenz gegründet

Für mehr Existenzgründungen in Thüringen haben zum Jahresende die Industrie- und Handelskammern und das Wirtschaftsministerium mit einem gemeinsamen „Thüringer Gründertag“ geworben. „Gerade bei Firmenneugründungen kommt es aber auf Klasse statt Masse an“, sagte der Abteilungsleiter Wirtschaftspolitik im Wirtschaftsministerium, Jakob von Weizsäcker. Deshalb sei es erfreulich, dass gerade die Zahl der High-Tech-Gründungen in Thüringen seit 2007 von 250 auf inzwischen über 300 pro Jahr gestiegen sei. Gleichzeitig lag 2010 der Anteil der Betriebsgründungen, d. h. Gründungen von Unternehmen mit hoher wirtschaftlicher Substanz, an den Neugründungen in Thüringen um sechs Prozentpunkte über dem Bundesdurchschnitt (Bund: 20,8 Prozent, Thüringen 27,0 Prozent). Am „Thüringer Gründertag“ in der IHK Erfurt nahmen über 100 Unternehmen, Gründer und an einer beruflichen Selbstständigkeit Interessierte aus ganz Thüringen teil.

Mehr als 17.000 Thüringerinnen und Thüringer haben im Jahr 2010 den Schritt in die berufliche Selbstständigkeit gewagt. Das entspricht 768 Gewerbeanmeldungen pro 100 000 Einwohner. Gründungsfreudigste Stadt war dabei die Landeshauptstadt Erfurt mit 1 090 Anmeldungen je 100 000 Einwohner. Das geht aus dem „Thüringer Gründerreport“ des Beratungsnetzwerks „Gründen und Wachsen in Thüringen“ (GWT) hervor, den der Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer Erfurt, Reimund Lehmann, vorstellte. Die Selbstständigenquote liege mit gegenwärtig 9,6 Prozent im Vergleich der neuen Länder im Mittelfeld und rund 1,3 Prozentpunkte unter dem gesamtdeutschen Durchschnitt.

„Der Schritt in die Selbstständigkeit wird noch zu oft als Notlösung angesehen“, sagte der IHK-Vizepräsident.„Was wir brauchen, ist vor allem ein neues Unternehmerverständnis, in dem die eigene Firma eine gleichberechtigte Alternative zum Angestelltendasein ist.“ Allerdings bestätige sich derzeit erneut auch die Beobachtung, dass in Aufschwungphasen die abhängige Beschäftigung aufgrund besserer Jobangebote zunehme. Der Weg in die Selbstständigkeit als Alternative zur Arbeitslosigkeit verliere währenddessen an Bedeutung.

Die bisherige Entwicklung sei durchaus erfolgreich gewesen, sagte von Weizsäcker. „Allerdings muss es uns künftig weniger auf die Zahl, als vielmehr auf die Qualität von Existenzgründungen ankommen.“ Wichtig seien vor allem Gründungen in innovativen und Wachstumsbranchen, weil hier die Effekte für Wettbewerbsfähigkeit und qualifizierte Beschäftigung besonders hoch seien.

Das Land unterstützt solche Existenzgründungen gezielt durch Beratung und Coaching. Beispiele dafür sind das „Thüringer Netzwerk für innovative Gründungen“ (ThüInG), das von der Stiftung für Technologie, Innovation und Forschung Thüringen (STIFT) getragen wird, sowie das Gründernetzwerk der Thüringer Hochschulen. Insgesamt stehen dafür pro Jahr rund drei Mio. Euro zur Verfügung. Im Mai 2011 ist zudem der „Thüringer Gründerfonds“ mit zwei Mio. Euro gestartet, der vor allem für innovative Gründungen benötigtes Startkapital bereitstellt.

Zudem werden klassische Gründungen in Handwerk, Handel, Dienstleistungen und Gewerbe gefördert. Die Förderung läuft unter anderem über Existenzgründerpässe, organisationseigene Beratung im Handwerk und Angebote von Netzwerken wie dem GWT und „Pro Gründen“. Gründer aus der Arbeitslosigkeit heraus können vom Land mit einem Existenzgründerzuschuss unterstützt werden. Darüber hinaus können Existenzgründer das gesamte Instrumentarium der Investitions-, Technologie- und Qualifizierungsförderung nutzen, das das Land zur Verfügung stellt.

Dass diese Förderangebote rege genutzt werden, zeigte eine für den „Thüringer Gründerreport“ durchgeführte Umfrage unter 600 Gründerinnen und Gründern im Freistaat. Das Ergebnis: Über 80 Prozent nutzen die Thüringer Unterstützungsangebote von Beratung bis Finanzierung. Für 57 Prozent ist die Hilfe bei der Erstellung von Businessplänen besonders wichtig. 69 Prozent finden Informationen rund um Förder- und Finanzierungsangebote hilfreich, und 49 Prozent nutzen die Unterstützung bei Rechtsfragen.

Gründe für Gründer

Motive für den Start in die Selbstständigkeit sind für 52 Prozent neue Herausforderungen und für 44 Prozent Selbstverwirklichung. Für viele Gründungen waren auch das Vorhandensein einer guten Geschäftsidee und der Wunsch nach einem höheren Einkommen ausschlaggebende Gründe. Die Beendigung der Arbeitslosigkeit wurde währenddessen nur von 34 Prozent als Grund angegeben.