Machnig stellt Pumpspeicherkataster Thüringen vor
„Leistungsfähige Energiespeicher sind das Rückgrat der Energiewende in Deutschland“, sagte Machnig. Pumpspeicherkraftwerke (PSW) seien derzeit die effizienteste Art, Schwankungen bei der Stromerzeugung auszugleichen. Thüringen habe über eine Reihe geeigneter Standorte für solche Kraftwerke. „Mit dem Kataster verfügen wir jetzt über eine gute Datenbasis, um weitere Investoren für Thüringen zu interessieren“, sagte Machnig. „Das ist eine große Chance nicht nur für den Klimaschutz, sondern auch für Wirtschaft, Kommunen, Beschäftigung und Tourismus.“ Allerdings könne angesichts der hohen Investitionskosten und des enormen Planungsaufwands nur ein kleiner Teil der Standorte tatsächlich mittel- bis langfristig entwickelt werden. Transparente Verfahren, in denen die Interessen von Umweltverbänden und Anwohnern voll berücksichtigt werden, seien selbstverständlich.
Folgende Standorte hat die Studie als besonders geeignet identifiziert:
- Südharz: Ellrich
- Westlicher Thüringer Wald: Floh-Seligenthal
- Östlicher Thüringer Wald: Altenfeld, Großbreitenbach
- Westliches Thüringer Schiefergebirge: Reschwitz, Lothramühle, Lehesten, Leutenberg
- Südliches Thüringer Schiefergebirge: Blechhammer, Theuern
- Hinzu kommen drei bestehende Talsperren: Schmalwasser, Weida, Hohenleuben
Die Kapazität all dieser Vorzugsstandorte beläuft sich laut der Studie auf eine Leistung von 5 130 Megawatt. Zum Vergleich verfügt das Pumpspeicherkraftwerk in Goldisthal über eine Leistung von 1 060 Megawatt. Das größte Potenzial weisen laut Kataster dabei die Standorte Lehesten (760 MW), Floh-Seligenthal (710 MW) und Theuern (630 MW) auf.
„Der Auswahl dieser Standorte liegt ein differenzierter Kriterienkatalog zugrunde“, erläuterte Projektleiter Dr. Stefan Schmid die Methodik der Studie. Zu den Kriterien zählen u. a. topographische Eignung, etwa im Hinblick auf künftige Fallhöhen, Beckenvolumen und Flächenbedarfe, Wasserangebot, vorhandene Anbindung an das Stromnetz, Konflikte mit bestehenden Nutzungen oder Umweltauflagen. „Von 191 Talsperren in Thüringen kamen schon allein wegen des Staurauminhalts von weniger als zwei Mio. Kubikmetern 165 nicht in Frage“, sagte Schmid. Bei einem Großteil der übrigen 26 Talsperren habe es sich zudem um Trinkwasser- oder Talsperren mit Hochwasserschutzfunktion gehandelt, die ebenfalls ausgeschlossen wurden. Von den betrachteten Brauchwasser- oder aus der Nutzung genommenen Trinkwassertalsperren blieben nur noch die drei genannten Talsperren als potenzielle Pumpspeicher-Standorte übrig. Grund dafür ist das Fehlen geeigneter Standorte für Oberbecken.
„Mit dem Ausstieg aus der Kernenergie und dem Umstieg auf die Erneuerbaren Energien wird der Bedarf an Energiespeichern steigen“, sagte Dr. Peter Bretschneider vom IOSB. In verschiedenen bundesweiten Studien seien erste Abschätzungen des erforderlichen Speicherbedarfs vorgenommen worden. So geht die dena-Netzstudie II von einem Speicherbedarf von 1,5 Terawattstunden bei einer Speicherleistung von 13,1 Gigawatt deutschlandweit aus. Bretschneider sah darüber hinaus aber auch positive Effekte für die regionale Wirtschaftsentwicklung. „Pumpspeicherkraftwerke generieren Steuereinnahmen für das Land und die Kommunen und schaffen neue Arbeitsplätze“, sagte er. Zudem profitieren auch die Wasserwirtschaft und der Hochwasserschutz von solchen Kraftwerken.
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